Andreas Dibowski
Spitzensport & Ausbildung
Irenenhof
Hörpeler Weg 4a
21272 Döhle
 

Nahaufnahme: Butts Leon
erschienen in der Reiter-Revue 09/2010



Mit freundlicher Genehmigung der RR-Redaktion / Autorin: Sarah Schnieder

Sprinter im Blut

Er galoppiert bis ans Ende der Welt, wenn ihn sein Reiter darum bittet. Die Dressur ist hingegen nicht so sein Ding. Für Friedrich Butt war Butts Leon aber genau das, was er sich als Züchter immer erhofft hatte.

Ein Vollblut läuft mit seiner Lunge, hält durch mit seinem Herzen und gewinnt mit seinem Charakter." Butts Leon trägt selbst kein xx im Namen und doch passt der Spruch zu ihm, wie zu keinem anderen. Wenn er laufen kann, seine Hufe kaum den Streckenboden berühren, dann ist der drahtige Braune in seinem Element. "Er hat Spaß am schnellen Galoppieren", sagt sein Reiter Andreas Dibowski über den Hannoveraner Wallach, der sowohl von Vater- als auch von Mutterseite stark blutgeprägt ist. Dressur war hingegen noch nie sein Ding. Aber als Weltranglisten-Erster zählt Dibowski zu den Reitern, die auch mit einem wenig dressurbegeisterten Pferd gute Ergebnisse erzielen können. Mannschafts-Olympiasieger in Hongkong 2008, Zweiter im CCI4* in Luhmühlen 2009, Zweiter im CCI4* in Badminton 2010, noch Fragen?! 1997 wurde der Heraldik xx-Nachkomme, der mütterlicherseits auf Star Regent xx zurück geht, bei Friedrich Butt im niedersächsischen Bülkau geboren. "Leon war nicht besonders auffällig", erzählt die Frau des 2003 verstorbenen Züchters, Anne-Kathrin Butt, heute. "Er entsprach aber genau der Vorstellung meines Mannes."


Züchterisches Endprodukt

Tatsächlich nannte Friedrich Butt den Youngster sein "züchterisches Endprodukt". Er mochte diese blutgeprägten Pferde, die zum Galoppieren geboren waren. "Mein Mann war selbst Hobbyrennreiter. Deshalb hat er Pferde gezüchtet, die viel Blut hatten. Wenn man Rennen reitet, will man gewinnen, hat er immer gesagt." Auch beim Duhner Wattrennen war der Norddeutsche mit Ehrgeiz am Start. Hier sind in den Reitpferderennen keine Vollblüter zugelassen. Da brauchte man schon ein Warmblut mit hohem Vollblutanteil, um zu den Favoriten zu zählen. Friedrich Butt ließ sich von der Vision dynamischer, galoppiergewaltiger Warmblüter nicht abbringen. Kritiker verstummten, als 2008 gleich zwei seiner Zuchterfolge zum olympischen Goldteam der Vielseitigkeit zählten. Neben Butts Leon nämlich noch der ebenfalls von Heraldik xx abstammende FRH Butts Abraxxas mit Ingrid Klimke. Ein züchterischer Erfolg, der kaum zu toppen ist. Doch zurück zu Leon: "Für meinen Mann war er das Endprodukt seines Zuchtziels", erinnert sich Anne-Kathrin Butt. "Er hat das sofort erkannt, und es hat sich bestätigt." Andreas Dibowski sah den Braunen zum ersten Mal, als dieser zweieinhalb Jahre alt und noch Hengst war. Er hatte bis dato schon einige Pferde der Familie Butt in den Sport gebracht und sah in dem jungen Hannoveraner eine kommende große Aufgabe. Und er sollte ihn nicht enttäuschen. "Angeritten hat ihn der Züchter selbst", erzählt Dibowski. "Ich habe ihn dann als Vierjährigen übernommen." Da war Butts Leon allerdings längst ein Wallach. "Er ist beim Vormustern durchgefallen und nicht gekört worden", sagt der Reiter. So ging es für Leon auf direktem Weg in den Sport anstatt in die Zucht. Dabei zeigte er sich besonders anfangs nicht begeistert von der gymnastizierenden Dressurarbeit. "Butts Leon war schon immer ein festes Pferd und deshalb als Vierjähriger von der Rittigkeit sehr schwer", gibt Dibowski offen zu. "Er war damals dressurmäßig nicht so angenehm zu reiten." Geduld und Spucke, das waren die zwei Dinge, die Butts Leon seinem Reiter abverlangte. So nannte Dibowski im ersten Jahr zwar einige Turniere, ritt davon allerdings keines. "Vierjährig war Leon sehr guckig. Lag auf einer Wiese ein Baumstamm, hat er sofort kehrt gemacht." Erst mit der Zeit kam das Vertrauen. Und so ging es fünfjährig sogar bis zum Bundeschampionat. "Allerdings war er auch da noch verkrampft und hat seinen Körper nicht richtig eingesetzt. Dementsprechend waren die Noten noch nicht so gut."


Knackpunkt Dressur

Butts Leon ist ein Paradebeispiel, wie sich Pferde entwickeln, denen entsprechend Zeit gelassen wird. "Sechsjährig hat er einen Entwicklungssprung gemacht. Er wurde im Körper stabiler, gewann alle Qualifikationen und wurde trotz einer Verweigerung Zweiter beim Bundes-championat." Andreas Dibowski gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er an den Finalritt denkt. "Leon war schon spektakulär." Der in der Lüneburger Heide lebende Vielseitigkeitsprofi war zwar live dabei, saß allerdings nicht selbst im Sattel. "Ich wollte ursprünglich die Vielseitigkeit in Burghley reiten und hatte Elmar Lesch gefragt, ob er meine beiden Pfer- de in Warendorf reiten will." Dibowski fuhr zwar nicht nach Burghley, doch Lesch ritt in Warendorf - ziemlich erfolgreich. "Wir haben zu der Zeit öfters mal die Pferde getauscht", lacht dieser. Wenn Elmar Lesch an seine kurzzeitige Partnerschaft mit Butts Leon denkt, spricht aus ihm Begeisterung: "Leon zeigte eine unglaubliche Leistungsbereitschaft, obwohl er körperlich noch gar nicht so ausgereift war." Noch heute hängt ein Bild vom Finale in seinem Büro. Butts Leon über einem Graben. "Ein Pferd in Perfektion, bis hin zum Ohrenspiel", so sagt er. Geschenkt bekam er das Foto von seinem guten Freund Andreas Dibowski. "Dibo", wie seine Vielseitigkeitskollegen ihn nennen, trainierte mit Leon nun für größere Aufgaben. Doch in der Dressur wollte es noch nicht so recht klappen. Ein Entwicklungstief des Pferdes sorgte für Kopfzerbrechen. "Butts Leon hat sich anfangs in der Schwungentfaltung und auch der Längsbiegung schwer getan", beschreibt es Elmar Lesch. "Schnell rennen und springen fiel ihm leicht, aber die Versammlung im Viereck kam ihm nicht entgegen." Andreas Dibowski gibt zu, dass er sich damals "daran festgebissen hat". Die Wende leitete seine Frau Susanna ein. Sie ritt Leon im Winter 2004/2005 hauptsächlich dressurmäßig. "Sie ist über die Probleme weggeritten", so Dibowski. Elmar Lesch gibt außerdem zu bedenken, dass "Heraldik-Nachkommen oft Spätentwickler sind". Eine Geduldsfrage, wie sich wieder einmal bestätigte, denn nach diesem Tief ging es steil bergauf. Zweimal gewann Butts Leon den Derby-Dynamic-Cup für das beste Nachwuchspferd im deutschen Vielseitigkeitssport. "Es ist gewaltig, was Andreas auch dressurmäßig aus ihm gemacht hat", sagt Elmar Lesch. Dibowski gibt das Kompliment weiter an sein Pferd: "Er hat sich zu einem tollen Partner entwickelt. Auch vor schwerer Kulisse reißt er sich in der Dressur zusammen." Wenn Butts Leon nach der zweiten Grußaufstellung, wenn der Applaus aufweht, explodiert, weiß sein Reiter, was der Wallach geleistet hat.


Hongkong genossen

Als sehr sensibel beschreibt Andreas Dibowski den 13-jährigen Hannoveraner. "Er ist sehr auf die Pfleger und Reiter fixiert." Einen eigenen Pfleger hat Butts Leon nicht. Im Stall Dibowski kümmert sich jeder um jedes Pferd gleichermaßen. "Er liebt es, betüttelt zu werden." Auf dem Turnier steht er im Mittelpunkt, deshalb gehört Butts Leon zu den Pferden, die sehr gerne verreisen. "Er wollte aus Hongkong gar nicht wieder nach Hause", lacht sein Reiter. "Alle anderen Pferde hatten Probleme mit dem Klima, Leon nicht. Er hat so gut gefressen wie nie und hat sogar zugenommen." Während die weiten Turnierreisen für seine früheren Pferde Serve Well oder Little Lemon eher Stress gewesen sind, scheint Butts Leon jeden Ausflug zu genießen. In Hongkong 2008 hat er mit der Mannschafts-Goldmedaille und einem achten Platz im Einzel gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. Ein Jahr zuvor war Leon noch durch eine Verletzung im Training für die komplette Saison ausgefallen. Und in diesem Jahr? Ganz klar hat das Paar die Weltreiterspiele in Kentucky im Visier. Der zweite Platz beim CICO3* in Aachen war ein deutlicher Wink Richtung Bundestrainer. Eine Reise in die USA würde Butts Leon sicher gut gefallen. Wie den Vielseitigkeitsfans dessen Auftritt: Wenn in diesem Fall ein Hannoveraner mit seiner Lunge läuft, dem Herzen durchhält und vielleicht, wenn alle Sterne für ihn stehen, gewinnt - nicht zuletzt dank seines großartigen Charakters.


Sarah Schnieder